Transparenz · Methodik
Methodik und Datenqualität bei Seepegel
Seepegel bündelt verteilte Gewässerdaten, macht ihre Herkunft sichtbar und trennt konsequent zwischen Messung, Modell, Ableitung und eigener Darstellung.
Quellen und Übernahme
Pegel- und Abflusswerte stammen von den auf jeder Station genannten hydrologischen Diensten. Wetterinformationen können Stationsmessungen oder Modell- und Vorhersagedaten sein; die Quellenangabe ist deshalb Teil des Werts. Wissenschaftliche Seetemperaturmodelle sind ebenfalls keine Sensormessungen. Die Quellen-Seite nennt Betreiber, Originaladresse und soweit verfügbar die Lizenz.
Messwerte werden in ihrer fachlichen Bedeutung unverändert übernommen. Seepegel vereinheitlicht Datums- und Zeitdarstellung und formatiert Einheiten für die gewählte Sprache. Es werden keine fehlenden Live-Werte erfunden und keine Stationen zu künstlichen Messreihen vermischt.
Aktualität und Ausfälle
Die Aktualisierung hängt von der Originalquelle ab und liegt je nach Station typischerweise zwischen etwa 10 und 60 Minuten. Abruf, Verarbeitung und Veröffentlichung können zusätzliche Minuten benötigen. Massgeblich ist deshalb immer der am Wert angezeigte Messzeitpunkt, nicht die Uhrzeit des Seitenaufrufs.
Bleibt eine Quelle aus, kann der letzte vorhandene Wert mit seinem ursprünglichen Zeitstempel sichtbar bleiben. Fehlende Werte sind nicht null; sie beweisen weder ein trockenes Gerinne noch eine unveränderte Lage. Auch eine vorhandene Zahl kann vorläufig sein: Das BAFU unterscheidet Rohdaten, geprüfte und validierte Daten. Korrekturen durch den Betreiber sind möglich. Seepegels Anzeige ersetzt diese fachliche Validierung nicht.
Verläufe, Änderungen und Referenzperiode
Änderungen über 24 Stunden oder sieben Tage werden aus Werten derselben Station und Einheit abgeleitet. Fehlt ein zeitlich passender Vergleichswert, ist eine genaue Änderung nicht belegt. Für saisonale Pegelvergleiche übernimmt Seepegel die vom BAFU bereitgestellten Tagesstatistiken. Häufig ist die Referenzperiode 1991–2020; gültig ist die beim Diagramm angegebene Periode. Der aktuelle Pegel wird mit den historischen Tagesmitteln desselben Kalendertags verglichen.
Die Minima und Maxima einer solchen Referenz beziehen sich auf deren Zeitraum und Tagesmittel. Sie sind keine Allzeitrekorde und keine höchsten oder tiefsten Momentwerte. Eigene Temperatur- und Wettervergleiche können andere Referenzzeiträume haben und dürfen nicht stillschweigend mit dieser BAFU-Normperiode gleichgesetzt werden.
Was der 30-Tage-Stationsvergleich tatsächlich vergleicht
Der Stationsvergleich nutzt die letzten 30 abgeschlossenen UTC-Kalendertage, ohne den laufenden Tag. Pro Tag wird der Durchschnitt der gespeicherten Messwerte derselben Station gebildet. UTC-Tagesgrenzen liegen in der Schweiz je nach Sommer- oder Winterzeit eine oder zwei Stunden nach Mitternacht. Mindestens 7 Tagesmittel müssen vorhanden sein; die angegebene Anzahl zeigt, wie viele Tage tatsächlich eingehen.
Jeder vorhandene Tag zählt einmal, auch wenn er Datenlücken enthält. Fehlende Tage werden nicht aufgefüllt. Minimum, Median und Maximum stammen aus diesen Tagesmitteln, während der verglichene aktuelle Wert eine einzelne aktuelle Messung sein kann. Eine kurze Spitze kann darum oberhalb aller Tagesmittel liegen, ohne ein Rekord oder eine amtliche Warnschwelle zu sein.
Für den Rang zählen kleinere Tagesmittel vollständig und gleich hohe zur Hälfte. Sind alle Vergleichswerte und der aktuelle Wert gleich, ergibt sich 50 Prozent. Das ist eine kurzfristige statistische Einordnung, keine Wiederkehrperiode und keine Aussage, wie wahrscheinlich ein Hochwasser nächstes Jahr ist.
Seetemperatur: Modell, Messort und historische Vergleichsjahre
Die Alplakes-Seetemperaturen beruhen auf dem physikalischen Eawag-Modell Simstrat. Es beschreibt die vertikale Temperaturverteilung des Sees. Ein oberflächennaher Modellwert ist keine Messung an einem bestimmten Badestrand; Tiefe, Ufernähe und lokale Zuflüsse können dort andere Temperaturen verursachen. Eine Temperaturstation in einem Zufluss beschreibt wiederum diesen Flussabschnitt, nicht automatisch das Seewasser.
Für den eigenen Jahresvergleich nutzt Seepegel Tagesmittel der gespeicherten Alplakes-Modellreihe. Das laufende Jahr bleibt ausserhalb der Referenz. Pro Kalendertag müssen Werte aus mindestens 5 abgeschlossenen Jahren vorliegen; der 29. Februar entfällt. Die angezeigte Spanne nennt die verfügbaren Referenzjahre, garantiert aber keine lückenlose Reihe. Ein Modellvergleich wird dadurch nicht zu einer jahrzehntelangen Sensormessung.
Wasserbilanz und Grenzen der Aussage
Die Wasserbilanz-Seiten vergleichen gemessene Zu- und Abflüsse. Nicht jede kleine Einmündung besitzt eine Station; Niederschlag auf die Seeoberfläche, Verdunstung, Grundwasser, Entnahmen und Speicheränderung fehlen teilweise. Die sichtbare Differenz ist eine Teilbilanz der erfassten Stationen. Sie allein beweist weder eine Zu- noch eine Abnahme des gespeicherten Seevolumens.
Auch Kartenlinien zeigen den geografischen Verlauf eines Gewässers, nicht die Ausbreitung einer aktuellen Hochwasserwelle. Seepegel unterstützt beim Verstehen und Vergleichen. Für Sicherheitsentscheide gelten ausschliesslich amtliche Warnungen und lokale Anweisungen.
Korrekturen und Nachvollziehbarkeit
Jede Detailseite nennt Station, Messzeit und Quelle, damit ein Wert am Original überprüft werden kann. Quellenbetreiber können historische Daten nachträglich korrigieren; dadurch kann sich auch ein bereits angezeigter Verlauf ändern. Hinweise auf fehlerhafte Zuordnungen oder Einheiten nehmen wir über die Kontaktadresse im Impressum entgegen.
Rechenbeispiel · keine aktuellen Messwerte
Was eine unvollständige Wasserbilanz wirklich aussagt
- Die sichtbaren Zuflussstationen liefern in diesem Beispiel zusammen 120 m³/s, die sichtbare Abflussstation 100 m³/s. Die Differenz der erfassten Werte ist +20 m³/s.
- Nur wenn diese Differenz eine Stunde lang konstant bliebe, entspräche sie 72'000 m³. Das ist eine bedingte Hochrechnung, keine gemessene Volumenänderung des Sees.
- Für die wirkliche Speicheränderung fehlen möglicherweise weitere Zuflüsse, Niederschlag, Verdunstung, Entnahmen oder Grundwasser. Ausserdem können Messorte und Laufzeiten voneinander abweichen. Ohne diese Angaben darf aus der Teilbilanz kein genauer Pegelanstieg berechnet werden.
Fehlende Stationen bedeuten «nicht erfasst», nicht null. Eine positive Teilbilanz beweist deshalb nicht für sich allein, dass der See gerade steigt.

